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Eine der vielen Herausforderungen bei der Prozessoptimierung nach Modell P ist der Aufbau bzw. die Neugestaltung eines internen Kontrollsystems (IKS) und hierbei besonders die Neustrukturierung der Kontrolltätigkeiten. Heute erfolgt ein Großteil der Kontrollen im Bereich Passiv / Dienstleistung als prozessbezogene Einzelkontrollen ohne eine vorausgehende Risiko- bzw. Fehlerselektion. Es wird zu 100 Prozent kontrolliert, ob eingereichte Unterlagen vollständig sind oder ob gesetzliche und sparkassenindividuelle Vorschriften eingehalten werden. Die Kontrollen werden nach bestehenden Kontrollanweisung durchgeführt, die nicht immer aktuell an veränderte Begebenheiten angepasst sind (z.B. Releasewechsel OSPlus oder Migration auf neue Systeme). Dies ist dadurch bedingt, dass häufig ein Fehlermonitoring fehlt, mittels dessen Konsequenzen aus erkannten Fehlern gezogen werden können. Dadurch könnten Fehlerursachen bewertet werden und die Sparkasse könnte gezielt gegensteuern. Nach einer erfolgreichen Maßnahme (z.B. Prozessgestaltung) sollte in der Folge die Fehlerquote sinken und damit kann eine Anpassung der Kontrollintensität erfolgen. |
Einsatz Kontrollradar
Ein neues Kontrollverständnis ist gefordert: Qualität wird produziert und nicht kontrolliert! Der Einsatz des Kontrollradars nach Modell P unterstützt dies, bedingt aber ein Umdenken im Kontrollvorgehen.

Das Kontrollradar teilt sich in vier Radarwellen auf, die aufeinander - im Markt startend - aufbauen.
Veränderung der Kontrolltätigkeiten
Kontrollen werden als eigener, nachgelagerter Prozess eingeführt und haben keine Abhängigkeit mehr zum verursachenden Einzelprozess. Die durchzuführenden Kontrollen werden definiert, dokumentiert und auch ausgewertet.
Definition von Kontrollen: Dafür müssen im Vorfeld Untersuchungen durchgeführt werden, auf Basis derer eine Selektion erfolgen kann.
Folgende Kriterien spielen dabei eine wichtige Rolle: Risiko, Kundenservice, Kontrollmöglichkeiten der eingesetzten IT, Kontrollmöglichkeiten der Kunden und Kosten.

Betrachtet werden muss auch die Frage, wo Prozesse erfasst werden. Bei einer zentralen Eingabe sind Normalfall Spezialisten am Werk. Hier muss hinterfragt werden, ob diese kontrollierte werden müssen.
Dokumentation von Kontrollen: Notwendig ist die Dokumentation der derzeitigen Kontrollen und nach der Neuausrichtung die Beschreibung des geänderten Kontrollumfangs und der neuen Kontrollprozesse, z.B. mittels einer Kontrollmatrix. Das Ziel ist die Gestaltung einer revisionssicheren Dokumentation.
Auswertung von Kontrollen: Auf Basis der Auswertung der Kontrollen kann der Kontrollprozess gesteuert werden. Geeignete Gegenmaßnahmen können ergriffen und Kontrolltätigkeiten an sich ändernde Begebenheiten angepasst werden. Dies kann z.B. eine Erhöhung oder Senkung der Stichproben bedeuten oder auch das komplette Verändern einer Kontrolle. Wichtig ist, dass das Kontrollmodell mindestens einmal jährlich und bei gravierenden Anlässen (z. B. Prozessänderungen, Schadensfälle) auf Anpassungsbedarf zu überprüfen ist.
Erfahrungsbericht der Sparkasse Dachau
Die Sparkasse Dachau hat sich im Rahmen der Prozessoptimierung nach Modell P den Herausforderungen eines veränderten Kontrollsystems gestellt. Der folgende Bericht beschreibt die Erfahrungen im Rahmen der Umstellung.
Ausgangslage:
Der ZMS der Sparkasse Dachau ist eine klassische Backofficeeinheit im Passiv- und Dienstleistbereich (incl. Wertpapiergeschäft). Ein Aufgabenschwerpunkt ist die Qualitätssicherung der Kunden- und Produktdaten durch Kontrollen, die vor Modell P in der Regel auf Einzelfallkontrollen basierten. Die Sparkasse Dachau hat im Oktober 2007 auf das System OSPlus der Finanzinformatik migriert. Dadurch sind in allen Kontrollbereichen neue Grundlagen geschaffen worden, die uns zu einem Überdenken unserer Kontrollphilosophie veranlasst haben.
Vorgehensweise:
Bereits zu Beginn des Projektes müssen entscheidende Weichen gestellt werden. Eine Hauptaufgabe des Projektes ist die Vernetzung der neuen Kontrollphilosophie vom Auszubildenden bis zum Vorstand. Der Grundsatz „Qualität produzieren – gezielt kontrollieren“ war unser Leitfaden. Kontrollsysteme entwickelten sich oft in einem permanenten Prozess aus den Erfahrungen und Anforderungen der Vergangenheit. Dabei spielten häufig auch Einzelereignisse beim Aufbau von umfangreichen Kontrollen eine große Rolle.
Die einzelnen Prozesse; z.B. Eröffnung eine Girokontos, wurden in den Workshops nach folgen-dem Schema systematisch abgearbeitet:
Die weiteren Projektphasen nach den Workshops:
Erfahrungen:
Im Projekt waren das Loslassen vom Gewohnten und die Freiheit der Gedanken bei allen Beteiligten – Mitarbeitern des Marktes, der Betriebsorganisation, der Revision und den Mitarbeitern im ZMS – eine Herausforderung.
Bisher war es der Markt gewohnt, dass im Backoffice die Qualitätssicherung auf Kunden- und Produktebene im Einzelfall vorgenommen wird. Im Backoffice war man von der Notwendigkeit der Einzelfallkontrollen nach altem Schema überzeugt. Die Fragen nach Verantwortung, Fehlerhäufigkeit, Risiko und „dürfen wir uns das trauen“ waren ständiger Begleiter im Projekt.
Die intensive Zusammenarbeit aller Einheiten hat diese Bedenken weitgehend ausgeräumt. Ein gut funktionierendes EDV-System, verantwortungsbewusste Marktmitarbeiter, die aktive Einbindung der Kunden in unser Kontrollsystem und intelligente Kontrollen mittels Auswertungen und Kontrollradar sichern und erhöhen zum Teil die Datenqualität gegenüber den Einzelfallkontrollen.
Nutzen:
Der Markt profitiert von den einfacheren Prozessen nach Modell P.
Beispiele:
Die Prozessvereinfachungen nach Modell P unterstützen zudem unser derzeit laufendes Projekt OSPlus-Archiv.
Im ZMS konnten die gewonnenen Ressourcen für die Übernahme neuer Aufgabengebiete – in der Sparkasse Dachau wurde in 2009 mit Archivierung im OSPlus-Archiv begonnen – und zur Stärkung des Vertriebes genutzt werden.
Fazit:
Die Umsetzung von Modell P hat die Sparkasse Dachau bei der Eigenoptimierung der Prozesse unterstützt. Unsere Hauptziele, die Steigerung der Produktivität und die Entlastung des Vertrie-bes, haben wir bei den bereits umgesetzten Teilprozessen erreicht. Modell P hat sich als anerkanntes Unternehmensziel im Haus verankert.
Ein Hauptgrund ist die Einfachheit und Klarheit der Musterprozesse. Dadurch wurde das Loslas-sen vom Gewohnten bei allen Projektteilnehmern gefördert.
Wie heißt es bei einem großen deutschen Dichterfürsten „Alles Große ist einfach“.